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Med.i.Con-App | Sprachbarrieren überwinden und Leben retten


Ziel der Initiative

“Med.i.Con” ist ein Entwicklungsprojekt des Marienhospitals Osnabrück und des Fachbereichs Industrial Design der Hochschule Osnabrück. Ziel ist eine interkulturelle, interaktiven Kommunikationshilfe zur Überwindung von Sprachbarrieren zwischen PatientInnen und medizinischem Fachpersonal und der Reduktion von Komplikationen.

Die dringende Indikation ergab sich aus dem sprunghaften Anstieg von lebensbedrohlichen Komplikationen bei schwangeren und gebärenden Geflüchteten, primär bedingt durch Sprachbarrieren.

Das Projekt steht für gesellschaftliche und soziale Partizipation, medizinische Versorgung und Verbesserung der Lebensqualität auf Basis christlichen Leitbildes und menschlichem Respekt.

Beschreibung der Initiative

“Med.i.Con” befasst sich mit dem Thema interkulturelle Kommunikation im Kontext der medizinischen Begleitung von Schwangeren und hat die Entwicklung einer Kommunikationshilfe zum Ziel.

Der Hintergrund

In einer zunehmend internationalen Gesellschaft kommt es aufgrund sprachlich, ethisch und kulturell unterschiedlicher Hintergründe zu kommunikativen Herausforderungen. Der intensiven Auseinandersetzung mit dieser Thematik liegt die aktuelle Situation in Krankenhäusern zu Grunde:

In den vergangenen Jahren war ein deutlicher Zuwachs an nicht deutschsprachigen Schwangeren zu verzeichnen, die nur mangelhaft in der Lage waren sich auszudrücken oder den Anweisungen von Hebammen und ÄrztInnen zu folgen. Diese Schwierigkeiten in der Kommunikation führen im schlimmsten Fall zu lebensbedrohlichen medizinischen Komplikationen (siehe Anhang 1).

Aktuell bedeutet dies zum Beispiel, dass aufgrund von Kommunikationshürden bei der rechtlich vorausgesetzten Patientenaufklärung Schwangeren mit Sprachbarriere unter anderem Schmerzlinderung durch eine Periduralanästhesie verwehrt bleibt. Auch zeigen retrospektive Studienanalysen, dass Migrantinnen eine erhöhte Morbidität und Mortalität aufweisen, zurückzuführen auf zwei Faktoren – den fehlenden Zugang zum lokalen Gesundheitssystem und Sprachbarrieren bei der Arzt-Patienten-Kommunikation. Dieser menschenunwürdigen Situation möchte das “Med.i.Con”-Team etwas entgegensetzen, insbesondere im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen interkultureller Herausforderungen und den bis dato fehlenden Lösungsansätzen.

Das Projekt

Im Rahmen dieses interdisziplinären Forschungs- und Entwicklungsprojektes werden derzeit bestehende Probleme der Arzt-Patienten-Kommunikation untersucht und validiert.

Ziel der Initiative ist es, eine interaktive Kommunikationshilfe zu entwickeln, welche eine interkulturell verständliche, ethisch korrekte und rechtlich verbindliche Arzt-Patienten-Kommunikation erlaubt.

Durch das Bereitstellen von Informationen rund um die Thematik Gesundheitsförderung, Vor- und Nachsorge bei Schwangerschaft und Geburt sollen Frauen mit wenig bis keinen Deutsch- oder Englischkenntnissen in ihrer Selbstbestimmtheit gestärkt werden. Dabei soll sowohl medizinisch-relevantes Wissen, als auch Aufklärung über die institutionelle Infrastruktur Deutschlands vermittelt werden. Den Patientinnen soll ein möglichst früher Einstieg in die Gesundheitsversorgung gelingen, um so Vorsorge und Früherkennung zu fördern. Die Initiative möchte Partizipation am Gesundheitswesen ermöglichen und hofft auf diesem Weg durch positive Erfahrungen, Vertrauensbildung und dem Verstärken des Hilfenetzwerkes das Gemeinschafts- und Heimatgefühl zu fördern.

Das Team

Die Kombination aus zwei kaum verbundenen Fachgebieten, Medizin und Design, führt zu ganz neuen Ansätzen der Lösungsfindung. Dieses komplexe und gesellschaftlich hoch relevanten Thema erfordert in besonderem Maße eine interdisziplinäre Auseinandersetzung. Nur die konstruktive Zusammenarbeit zwischen medizinischem Fachpersonal, Kommunikations-/ Kognitionswissenschaft, Sozialer Arbeit und Design ermöglicht eine Analyse der Problemlage. Gemeinsam wollen wir Lösungen für diese Herausforderung unseres Gesundheitswesens und unserer Gesellschaft entwickeln.

Das Ziel

Der Studiengang Industrial Design, unter der Leitung Professor Thomas Hofmann, hat sich der Analyse von Nutzerverhalten und Nutzungskontext verschrieben, um so besonders menschennahe Entwicklungsergebnisse im Bereich Produkt- und Softwaredesign zu gewährleisten.

In enger Zusammenarbeit mit PD. Dr. med. Martin Beiderlinden und dem Marienhospital werden die Lebenswelten aller Betroffenen (medizinisches Fachpersonal und PatientInnen) beleuchtet. Zusätzlich werden bereits bestehende institutionelle Netzwerke in die Auswertung der aktuellen Situation eingebunden. Dies bildet die Basis für die Entwicklung einer Kommunikationshilfe, welche in einer ersten Erprobungsphase im Marienhospital Osnabrück zum Einsatz kommen wird. Wir streben eine Ausweitung auf weitere medizinische Fachbereiche an und erhoffen uns eine übernationale Anwendung der Kommunikationshilfe. Dabei verfolgt “Med.i.Con” keine kommerziellen Ziele, sondern setzt das humanitäre Interesse in den Fokus der Initiative.

Über den Träger

Das Marienhospital ist ein Haus der Maximalversorgung im Verbund der Niels-Stensen-Kliniken in der Stadt und im Landkreis Osnabrück.

www.niels-stensen-kliniken.de

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