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„Lahnsteiner Konzept“


Ziel der Initiative

Ziel der Initiative ist es, die psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung psychisch kranker Flüchtlinge und Migranten zu verbessern. Im Zuständigkeitsbereich des St. Elisabeth Krankenhauses Lahnstein (Rhein-Lahn-Kreis) soll eine kompetente, muttersprachliche Behandlung von Flüchtlingen und Migranten mit psychischen Erkrankungen ohne lange Wartezeiten sicher gestellt werden. Ausgehend vom „Lahnsteiner Konzept“ und anderen lokalen Initiativen soll ein Rheinland-Pfalz-weites Netzwerk von Kliniken und Ambulanzen, die psychisch kranke Flüchtlinge und Migranten behandeln, entstehen.

Beschreibung der Initiative

Ambulante Behandlung

Flüchtlinge, bei denen ein psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlungsbedarf deutlich wird, werden initial in der Migrationsambulanz des St. Elisabeth Krankenhauses Lahnstein untersucht. Die Migrationsambulanz ist eine Spezialambulanz der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) des Krankenhauses und besteht seit dem 01.01.2017.

Die Diagnostik und Behandlung in der Migrationsambulanz erfolgt durch ein multiprofessionelles Team (ambulant insbesondere Ärzte, Ergotherapeuten, Krankenpflegekräfte, Psychologen und Sozialdienst).

In der Migrationsambulanz arbeiten Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie facharztnahe Weiterbildungsassistenten mit Migrationshintergrund bzw. fundierten Sprachkenntnissen und dem entsprechenden kulturellen Verständnis für zahlenmäßig relevante Herkunftsländer. Nach den ausführlichen Erstgesprächen wird eine Diagnose gestellt und ein Behandlungsplan erarbeitet. Abhängig von Diagnose und Fallschwere wird entweder eine hausärztliche Behandlungsempfehlung ausgesprochen, eine psychiatrisch-psychotherapeutische Weiterbehandlung in der Migrationsambulanz vereinbart oder – falls erforderlich – eine stationäre Behandlung eingeleitet („Lotsenfunktion“).

 

Stationäre Behandlung

Für akut vollstationär psychiatrisch-psychotherapeutisch behandlungsbedürftige Migranten hält das St. Elisabeth Krankenhaus Lahnstein bis zu, d.h. falls erforderlich, 5 Betten vor. Im Falle einer stationären Behandlungsbedürftigkeit werden die Patientinnen und Patienten in der Regel durch die Primärbehandler die Migrationsambulanz weiterbetreut (Vorteil: kein Behandlerwechsel, keine Schnittstellenproblematik mit Verlust von Informationen, Vertrauen etc.). Sollte eine stationäre Psychotherapie – sei es unter Berücksichtigung einer Traumafolgeproblematik oder mit anderem Schwerpunkt (z.B. Depression, Angststörung oder in geeigneten Fällen Persönlichkeitsstörung) -indiziert sein, erfolgt diese ebenfalls durch den muttersprachlichen Primärbehandler.

Das Therapiekonzept ist integrativ, mit kognitiv-verhaltenstherapeutischer Grundausrichtung und leitlinienorientiert (Flatten et al., 2011; DGPPN und andere, 2015.). Die Therapieinhalte hängen hierbei u.a. von der Hauptdiagnose (z.B. PTSD, Depression), den Komorbiditäten und den psychosozialen Rahmenbedingen ab. Ein spezielles therapeutisches Milieu (eigene stationäre Einheit) für Flüchtlinge ist nicht vorgesehen und nicht integrationsfördernd. Die Patientinnen und Patienten sollen soweit als möglich am flankierenden Therapieprogramm ihrer Station teilnehmen.

Abhängig von Diagnose und individueller Symptomkonstellation erfolgt im Rahmen des mul-timodalen Behandlungsprogramms eine leitlinienorientierte Pharmakotherapie.

Sofern auch nach der stationären Behandlung ein krankenhausnaher psychiatrisch-psycho-therapeutischer Behandlungsbedarf im Sinne der Kriterien für Psychiatrische Institutsambulanzen besteht, erfolgt die ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Weiterbehandlung in der Migrationsambulanz. Auch an dieser Schnittstelle bleibt in der Regel der Primärbehandler der gleiche, sodass erneut Kontinuität mit den entsprechenden Vorteilen gegeben ist.

 

Vernetzungsaspekt

Das muttersprachliche Behandlungsangebot (in den o.g. Sprachen) in der Migrationsambulanz und im vollstationären Bereich des St. Elisabeth Krankenhauses Lahnstein richtet sich auch an Patienten außerhalb des Rhein-Lahn-Kreises. Zu diesem Zweck besteht ein enger Austausch mit anderen Migrationsambulanzen bzw. Kliniken im gesamten Bundesland Rheinland-Pfalz über die jeweils aktuell zur Verfügung stehenden Behandlungsplätze und die vorgehaltene Sprachkompetenz in den jeweiligen Kliniken (Netzwerkgedanke: Jede Klinik beteiligt sich mit ihrem „Sprachportfolio“ und einer Bettenzahl x an der Versorgung).

Sollte lokal kurzfristig keine kompetente Behandlung möglich sein (Sprachbarriere, Behandlungskapazität), wird innerhalb des Netzwerks nach einer geeigneten Einrichtung gesucht. Die Chefärztinnen und Chefärzte des Rheinland-Pfalz-weiten Netzwerkes haben sich dazu bekannt, in diesen Fällen Versorgungssektor-übergreifend aufzunehmen.

Um sich über aktuelle Entwicklungen auf dem Gebiet der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung von Migranten und Flüchtlingen auszutauschen finden quartalsweise Treffen der Migrationsambulanzen des Netzwerkes statt.

Über den Träger

Das St. Elisabeth Krankenhaus Lahnstein - Ihr Gesundheitszentrum - GmbH ist ein gemeinnütziges Unternehmen des Elisabeth Vinzenz Verbundes, der bundesweit katholische Krankenhäuser und weitere Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialwesen betreibt. Mehr Informationen unter www.elisabeth-vinzenz.de

St. Elisabeth Krankenhaus Lahnstein

Ostallee 3
56112 Lahnstein
amobascher@ihr-gesundheitszentrum.de
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