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Die interkulturell kompetente Psychiatrische Institutsambulanz


Ziel der Initiative

Durch unsere interkulturell kompetente Psychiatrische Institutsambulanz (IK-PIA) mit interkulturell offenem, multiprofessionellem und interdisziplinärem Team und der regelhaften Hinzuziehung von qualifizierten Sprach-, Kultur- und Integrationsmittlern, regelmäßigen interkulturellen Intervisionen, Supervisionen, Fallbesprechungen, Konsusbesprechungen und Fortbildungen gelingt es uns, Zugangsbarrieren zur psychiatrischen – psychotherapeutischen Diagnostik und Behandlung für Patienten insbesondere mit Fluchthintergrund zu senken, die Versorgungslücke und damit die benachteiligenden Ungleichheiten zu reduzieren und die Versorgungsqualität zu verbessern.

Beschreibung der Initiative

Unsere IK-PIA, die sich besonders durch die langjährige Erfahrung bei der Diagnostik und Behandlung von Patienten mit Migrationshintergrund auszeichnet, verfügt über ein multiprofessionell, interdisziplinäres, interkulturell-kompetentes Team, das in einem interkulturell offenen Setting arbeitet. Dabei bilden 1. die Förderung interkultureller Kompetenz und interkultureller Öffnung sowie 2. eine kultur- und sprachsensible Diagnostik und Behandlung von Menschen mit Migrationshintergrund Kernziele unseres Konzeptes. Es erfolgen regelmäßige Schulungen und Trainings zur Arbeit mit Dolmetschern für alle Berufsgruppen für Einzel- und Gruppenbehandlungen. Des Weiteren finden regelmäßig Fallbesprechungen, bei unklaren diagnostischen und therapeutischen Prozessen erfolgen Konsusbesprechungen. Interkulturelle Intervisionen und Supervisionen zählen inzwischen zur Routine. Darüber hinaus werden kulturspezifischen Krankheitskonzepte von Patienten mit Fluchthintergrund und ihre Behandlungserwartungen Teile der regelmäßigen internen Fortbildungen, bei Bedarf werden auch externe Experten eingeladen. Hierzu zählen auch die Erfassung unterschiedlicher biochemischer Abbauprozesse von Medikamenten. Zudem finden Netzwerkbesprechungen statt. Neu hinzukommenden Mitarbeiter werden nachgeschult. Interkulturelle Teamarbeit ist der Regelfall. Das interdisziplinär arbeitende Team wird komplettiert durch mehrere nicht muttersprachliche Einheimische. Zahlreiche Mitarbeiter des mehr als 20-köpfigen Teams haben selber einen Migrationshintergrund und sprechen mindesten noch eine Sprache außer Deutsch, z. B. Englisch, Französisch, Italienisch, Türkisch, Russisch und Farsi/Dari. Diese Sprachkompetenzen sind in allen Berufsgruppen vorhanden. Etwa 70 % der hier versorgten Patienten haben einen Migrationshintergrund, die weltweit aus mehr als 70 Ländern stammen. Damit wird unsere PIA der Bevölkerung in unserem Einzugsgebiet, in dem mehr als 60 % der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat, gerecht. Nur ein Teil dieser Patienten kann muttersprachlich diagnostiziert und behandelt werden. Bei zahlreichen anderen Patienten mit fehlender deutscher Sprachkompetenz ist eine direkte interkulturelle Kommunikation nur unter Hinzuziehung von professionell qualifizierten Dolmetschern (Sprach-, Kultur- und Integrationsvermittlern) möglich. Denn Basis für eine valide Diagnosestellung ist eine effektive sprachliche Verständigung zwischen Patient und Behandler, die es allen Beteiligten ermöglicht, Unklarheiten zu beseitigen und dementsprechend eine angemessene Therapie zu entwickeln und umzusetzen.
Es besteht wachsende Evidenz, die zeigt, dass der Einfluss von sprach- und kulturgebundenen Barrieren auf die Qualität der medizinischen Versorgung hoch ist: Sprach- und kulturgebundene Barrieren (1) ziehen eine weniger erfolgreiche Kommunikation zwischen Patient und Behandler nach sich, (2) vermindern die Patientenzufriedenheit, (3) führen zu einer vermehrten und ineffizienten Inanspruchnahme von Versorgungsstrukturen und beeinflussen die Behandlung nachteilig und (4) erhöhen das Leid der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Dem gegenüber steht, dass der Einsatz professioneller Dolmetscher zu einer besseren Versorgungsqualität führt und benachteiligende Ungleichheiten reduzieren kann. Die interkulturelle Kommunikation schließt bei uns sowohl die Anamneseerhebung mit dem Patienten und ggf. Angehörigen ein, als auch die Besprechung von Therapiestrategien, Anleitung zur Medikamenteneinnahme und/oder Präventionsmaßnahmen. Denn eine mangelhafte interkulturelle Kommunikation mit dem Patienten stellt eine wesentliche Fehlerquelle dar und kann die Gesundheitsversorgung verschlechtern sowie sich negativ auf die Patientensicherheit auswirken.
Wir haben die Haltung, dass für eine qualifizierte psychiatrische und psychotherapeutische Diagnostik und Behandlung von Flüchtlingen aus genannten Gründen die Hinzuziehung von Dolmetschern unverzichtbar ist.
Zudem sehen wir es aus ethisch- und moralischen Gründen als unsere Aufgabe an, für diese vulnerable Gruppe ein spezielles Behandlungsangebot bereitzustellen. Dazu bieten wir dolmetschergemittelte und non-verbale Behandlungsmöglichkeiten Einzeln und in Gruppen an. In diesem Zusammenhang haben wir bislang die Kosten für die Dolmetschereinsätze z. T. aus unserem eigenen Budget bereitgestellt. Der Berliner Senat hat kürzlich bekannt gegeben, dass Dolmetscherkosten ab jetzt übernommen werden sollen. Dies wird unsere Arbeit beflügeln.

Über den Träger

Die Alexianer St. Hedwig Kliniken Berlin GmbH ist der Träger des St. Hedwig-Krankenhauses, einem akademischen Lehrkrankenhaus der Charité. Die Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus (PUK der Charité im SHK) bildet eine Kooperation des St. Hedwig-Krankenhauses mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (CCM) der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Die interkulturell offene Psychiatrische Institutsambulanz (IK-PIA) ist ein Teil der PUK der Charité im SHK.

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