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Gesundheitliche Versorgung für Flüchtlinge


Ziel der Initiative

In unserem Leitbild, dem Leitbild der St. Franziskus-Stiftung Münster, und in der Namensgebung unseres Krankenhauses berufen wir uns auf den Heiligen Franziskus, der, wie Thomas von Celano schrieb, unermüdlich das Heil der Menschen suchte. Angesichts der großen Not der nach Deutschland fliehenden Menschen aus vielen Teilen unserer Erde entspricht es unserem Selbstverständnis, diesen Menschen zu helfen. Es war und ist es unser Ziel, uns um die gesundheitliche Situation zu kümmern. Das hieß in der unten beschriebenen 1. Phase unserer Aktivitäten, die gesundheitliche Erstversorgung sicher zu stellen, in den Folgephasen die Versorgung zu stabilisieren sowie angemessen auf die Menschen einzugehen

Beschreibung der Initiative

Es war im August 2015, als im nordrhein-westfälischen Ahlen, einer Stadt mit etwa 53.000 Einwohnern, wie in vielen anderen Kommunen Deutschlands eine große Zahl von Menschen eintraf, die aus den verschiedenen Regionen der Erde unter lebensbedrohlichen Umständen zu uns geflohen waren. Die besondere Situation führte binnen eines Tages dazu, dass sich das St. Franziskus-Hospital, einziges Krankenhaus in Ahlen in Trägerschaft der St. Franziskus-Stiftung Münster, mit vielen Freiwilligen aktiv in die Erstversorgung der geflohenen Menschen, zunächst in den Notunterkünften, einbrachte. Das Vorgehen wurde mit dem – durch die vielen geflohenen Menschen bis an die Grenzen ausgelasteten – Gesundheitsamt des Kreises Warendorf abgestimmt

Die Aktivitäten des St. Franziskus-Hospitals lassen sich seitdem in drei Phasen untergliedern, auf die in der Bewerbung Bezug genommen werden soll:

Phase 1: Gesundheitliche Erstversorgung in den Notunterkünften (August-Dezember 2015): Erstuntersuchung der Ankommenden, Bildung von Impfteams, Impfaktionen, Überprüfung des Röntgenstatus zur Identifikation ansteckender Krankheiten wie TBC, Einleitung notwendiger Sofortbehandlungen

Phase 2: Weichenstellungen in der Behandlung innerhalb des St. Franziskus-Hospitals (1. Quartal 2016): Erstellen eines Handbuches

Phase 3: Normalisierung der Situation in Ahlen und Konsilidierung der Aktivitäten (etwa seit Mitte 2016)

Bezüglich der Phase 1 verweisen wir wegen der begrenzten Zeichenzahl auf den angehängten Text und das Foto 1. : Am Ankunftstag der Flüchtlinge traf sich ein Leitungsstab des St. Franziskus-Hospitals mit Vertretern der Stadt Ahlen, um den konkreten Bedarf zu erörtern. In einem Ortstermin in der Unterkunft klärten die Beteiligten die räumlichen Möglichkeiten und sorgten dafür, dass umgehend sechs provisorische Behandlungsplätze für die Erstuntersuchung von Männern, Frauen und Familien mit Kindern eingerichtet wurden.

In einer im St. Franziskus-Hospital einberufenen Konferenz fanden sich ohne Zögern achtzehn freiwillige Helferinnen und Helfer (s. Foto 1), deren Zahl sich in den Folgetagen auf über 30 erhöhte. Alle Freiwilligen fanden sich zum Ankunftstermin ein. Die vorhersehbar notwendige Ausstattung mit Verbrauchsmaterialien wurde zwischenzeitlich zusammengestellt. In den Folgetagen und -wochen engagierten sich unsere Freiwilligen wie eingangs skizziert in der gesundheitlichen Erstversorgung.

Phase 2

In der oben skizzierten ersten Phase zeigte sich bereits eine der größten Herausforderungen: die Sprache. Gemeinsam mit Schülern eines Kurses an der Krankenpflegeschule am St. Franziskus-Hospital im zweiten Ausbildungsjahr, unter der Leitung zweier Lehrerinnen und mit Unterstützung einer Studentin im Praxissemester, die selbst fließend Arabisch, Deutsch und Englisch sprach, wurde ein Übersetzungshandbuch erstellt, das sich an einem ähnlich strukturierten österreichischen Handbuch orientiert. Die Schüler/innen der Klasse stellten Situationen zwischen den Behandelnden und den Patienten im Krankenhaus nach und fertigten Fotos oder Zeichnungen an, z.B. zur Visualisierung der verbalen Kommunikation.

Das Handbuch der Übersetzungen ist in zwei große Kapitel unterteilt, die auf der Pflegeanamnese des St. Franziskus Hospitals basieren. Im ersten Kapitel befindet sich ein Frage- und Aufforderungskatalog der nach verschiedenen Situationen bzw. gesundheitlichen Zuständen aufgeteilt ist. Insgesamt wurden 19 Teilbereiche definiert, darunter fallen u.a. Schlaf, Schmerzen, Bewegung, OP- Vorbereitungen, Atmung und Sicherheit.

Im zweiten Kapitel sind Karteikarten erstellt worden, die auch ausgedruckt und laminiert auf den einzelnen Stationen nutzbar sind. Die Karteikarten sind ähnlich wie der Fragen- und Aufforderungskatalog aus dem ersten Kapitel aufgebaut. Zusätzlich kommen hier die selbst erstellten Bilder und Zeichnungen der Schüler_innen zum Einsatz. Jede einzelne Karteikarte bezieht sich auf eine bestimmte Situation und hat ein eigenes Bild mit den dazugehörigen Übersetzungen in insgesamt fünf Sprachen. Entstanden sind 40 Karteikarten.

Ziel des Handbuches ist letztendlich die Erleichterung der Behandlung von anderssprachigen Patienten durch Mitarbeiter_innen des Hauses. Sowohl das St. Franziskus-Hospital Ahlen als auch die anderen Krankenhäuser der St. Franziskus-Stiftung Münster als übergeordnetem Träger können über ein Dokumentenmanagementsystem auf die Broschüre zurückgreifen.

Phase 3

Zwischenzeitlich wurden Flüchtlinge verlegt, neue Flüchtlinge kamen an. In der Folge gab es auch ärztliche Sprechstunden vor Ort – an den Kindersprechstunden beteiligte sich ein Team um den Chefarzt der Kinderklinik am St. Franziskus-Hospital, unter dessen Leitung Freiwillige sich bis in die Phase der Normalisierung hinein insbesondere für Kinder und Jugendliche engagierten. Durch den Rückgang der Flüchtlingszahlen hat sich die Situation heute „normalisiert“, es sind einzelne Flüchtlinge, mit deren Behandlung sich das St. Franziskus-Hospital Ahlen heute wöchentlich befasst. Die geschaffenen Voraussetzungen erleichtern dabei die Kommunikation im Rahmen der Behandlung.

 

 

Über den Träger

Das St. Franziskus-Hospital Ahlen gehört zu einem Verbund von 14 Krankenhäusern der St. Franziskus-Stiftung Münster, die neben Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen auch Einrichtungen der Alten- und der Eingliederungshilfe sowie Hospize und weitere Einrichtungen führt. Die Wurzeln der St. Franziskus-Stiftung liegen in der Ordensgemeinschaft der Mauritzer Franziskanerinnen. Das St. Franziskus-Hospital Ahlen verfügt über 307 Betten in 7 Fachabt., 1 Belegabt. und über 600 Mitarbeiter_inne

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