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Flüchtlingsarbeit am Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift


Ziel der Initiative

Wir wollten den Flüchtlingen unbürokratisch helfen und menschlich begegnen – unabhängig von deren Herkunft, Status oder Religion. Ärzte und Pflegekräfte waren oft schockiert, wie schwerkranke Menschen zwischen die Mühlen der Bürokratie gerieten. Unser Ziel war es, die tatsächlich gebotene medizinische Versorgung zu ermöglichen, auch wenn sie im Asylbewerberleistungsgesetz nicht vorgesehen war. Durch niederschwellige Angebote wie die Kleiderkammer konnte Flüchtlingen praktisch geholfen werden. Durch die Vergabe von Praktikumsplätzen sowie der Beteiligung an Unterrichtseinheiten möchte sich das Krankenhaus für eine gelebte Integration von Geflüchteten in Deutschland engagieren.

Beschreibung der Initiative

Im Oktober 2014 gab es eine erste Infoveranstaltung für den Deutschkurs der nahen Volkshochschule über das dt. Gesundheitswesen. Danach folgten vereinzelte Patienten, die sich schwer im Krankenhaus zurechtfanden. Eine Ordensschwester bot sich an, auf Anruf zu den Patienten auf die jeweilige Station zu kommen, um zu helfen und ggf. ganze Familien zu begleiten. Die ersten Flüchtlings-Babys wurden geboren. Die Familien hatten weder Strampler noch Kinderwagen. Daraufhin schrieb eine Mitarbeiterin Mütter im Haus an, ob sie nicht Kleidung und weiteres Zubehör spenden könnten. Ein voller Erfolg: Dutzenden Tüten wurden zunächst in ihrem Büro, später in einer ersten „Kleiderkammer“ gesammelt und an die Familien verteilt.

100 Mitarbeiter dolmetschen

Eine Dolmetscherliste wurde im Sommer 2015 von einer Arbeitsgruppe der Pflegedienstleitung erstellt. 100 Mitarbeiter boten an, in über 30 Sprachen bei Verständigungsproblemen auszuhelfen.

Im Herbst 2015 wurde ein nahes Gebäude des Krankenhausträgers  an die Stadt Reinbek vermietet und mit bis zu 27 Flüchtlingen belegt. Die soziale Betreuung der alleinstehenden Männer wurde federführend von Schwester Luise übernommen.

Medizinische Versorgung für die Erstaufnahmeeinrichtung

Im September 2015 informierte die Nachbargemeinde Wentorf das Krankenhaus darüber, dass eine Erstunterkunft für 300 Flüchtlinge innerhalb von 1 Monat aus dem Boden gestampft wird. Das Krankenhaus übernahm die medizinische Versorgung der Flüchtlinge. Dazu wurde federführend von 3 Krankenhausmitarbeitern und Unterstützung von 100 Freiwilligen am Wochenende 3./4. 10.2015 und 30.10.2015 eine ERSTUNTERSUCHUNG aller 300 Flüchtlinge durchgeführt, um ansteckenden Erkrankungen vorzubeugen und allen Geflüchteten einen Kontakt mit einem Arzt zu ermöglichen. Gleichzeitig wurde eine „Praxis“ in der Erstunterkunft eingerichtet. Zwei Oberärzte übernahmen die Leitung und kümmerten sich um eine Besetzung für 10 Stunden pro Woche.

Zähe Verhandlungen mit Kostenträgern

Gleichzeitig erstellten sie eine Liste von Arztpraxen, die Flüchtlinge zu untersuchen, auch wenn die Finanzierung noch nicht gesichert war, und kümmerten sich um die Weiterbehandlung von schwerkranken Flüchtlingen bei uns im Haus oder in den nahen Hamburger Spezial-Kliniken, die aufgrund der Landesgrenze offiziell NICHT aufgesucht werden durften. Kostenzusagen durch das jeweilige Sozialamt für spezielle Fälle waren oft nur durch unermüdliches Telefonieren und Verhandeln zu erreichen.

Medizinische Informationen in Form von Übersetzungen in der Muttersprache oder zumindest verständlichen Piktogrammen wurde zentral im INTRANET für alle Mitarbeiter zur Verfügung gestellt. Hinzu kam spezielles Informationsmaterial über Impfungen, Kindergesundheit, Diabetes in verschiedenen Sprachen.

Kleiderkammer wird vergrößert

Durch die Erstaufnahme-Einrichtung und Anfragen zur Hilfe bei der Wohnungssuche wurde deutlich, dass Kleidung und Einrichtungsgegenstände auch für Erwachsene gesammelt werden sollten. Eine größere Kleiderkammer wurde durch Finanzierung durch das Krankenhaus mit Hilfe vieler Mitarbeiter aufgebaut und durch Spenden von Kleidung und Haushaltsgegenständen aus dem ganzen Haus gefüllt. Die Haushandwerker halfen gemeinsam mit Flüchtlingen bei der Abholung von Möbeln.

Integration durch Praktika und erste Festanstellungen

Seit Juni 2016 wurden Flüchtlingen im Haus Praktikumsplätze zur Verfügung gestellt, vor allem in den Bereichen Pflege, Apotheke, Hauswirtschaft, Bettenaufbereitung. Die Vermittlung erfolgt oft in Zusammenarbeit mit Jobcenter, Arbeitsagentur oder Sprachschulen. Die Betreuung und Begleitung von den über 30 Praktikanten erfolgte durch Schwester Luise und die diversen Leitungskräfte der Abteilungen (teilweise mit einer besonders herzlichen Integrationsarbeit durch den gemeinsamen Besuch von Festen oder kulturellen Veranstaltungen). Zwei reguläre Arbeitsplätze sind dadurch im Patiententransport entstanden.

Die Maßnahmen (außer Erstuntersuchung/ Praxis) dauern an.

Über den Träger

Das Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift ist ein christliches Krankenhaus mit expandierender Entwicklung und überregionaler Bedeutung an der östlichen Stadtgrenze von Hamburg. Es verfügt über 351 Betten. Jährlich werden 18.000 stationäre Fälle behandelt und 8.500 Operationen durchgeführt.
Es ist ein gemeinnütziges Unternehmen des Elisabeth Vinzenz Verbundes, der bundesweit 10 katholische Krankenhäuser betreibt. Mehr Informationen unter www.elisabeth-vinzenz.de

Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift

Hamburgerstr. 41
21465 Reinbek
andrea.schulz@krankenhaus-reinbek.de
http://www.krankenhaus-reinbek.de/
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